HOME Marco Robert Mirco
Robert
Marco
Mirco


Hoerspiele
Bilder
Gast des Monats
Gaestebuch
WG Test


Links

Gast des Monats November/Dezember 2002

Wir selbst


Gast Dez. 2002
WG-Bonn



Lesen Sie dazu
eine Laudatio von Jan K.:


Erlesene Festgemeinde, hochgeschätzte Jubilare,

die zweijährige Wiederkehr des Gründungstages der Wohngemeinschaft Bonn ist ein Ereignis, das zu feiern man nicht alle Jahre Anlaß hat. Umso größer ist meine mannigfaltige Freude darüber, daß mir die Ehre angedacht wurde, den Gründungsvätern dieser Institution einige Zeilen zu widmen. Beim Verfassen dieser Lobschrift weiß ich mich von der Zuversicht getragen, daß der geneigte Leser eigene Beobachtungen und Erfahrungen wiederentdecken, strenger: Bestätigt sehen wird. Was ehedem vielerseits als ehrgeiziges, aber perspektivloses Experiment belächelt wurde, hat sich allen feisten Unkenrufen zum Trotze als beständige Dauerlösung erwiesen und zu einer festen Größe inmitten unsteter Zeitläufte enwickelt. Weit über die Grenzen der Stadt hinaus hat sich das Erstaunen darüber breit gemacht, mit welch schwereloser Leichtigkeit es drei konträren und ausgeprägten Charakteren gelang, aus den angestammten Nischen herauszutreten, um einen Kreis zu bilden, aus dessen Mitte jenes Licht entspringt, das den Weg selbst in die finstersten Ecken unserer Seelen gefunden hat.

Freilich, für zwey der verehrten Jubilare hat sich bereits in der der Gründung der Wohngemeinschaft Bonn vorangehenden Zeit Gelegenheit in Fülle geboten, sich unter wohlwollender Abtragung vorhandener Differenzen einander anzunähern und dabei mehr als nur per Du zu werden. Doch falsch liegt und nicht zu Unrecht dem Vorwurf der Narretei ausgesetzt sieht sich der, welcher in dieser Vorstufe der Wohngemeinschaft Bonn bereits die Keimzelle der jetzigen Kommune wähnt. Mit großer Vorsicht und nur sehr leise traut man sich, von marginalen Weichenstellungen zu sprechen, die damals hinter verschlossener Tür stattgefunden haben mögen. Wer jedoch hieraus den Schluß zieht, das damals entsprossene Pflänzlein habe nur noch der Schwängerung bedurft, daß daraus der Baum erwachse, den wir heute Wohngemeinschaft Bonn heißen, über den kann das Urteil nur lauten: Er nähert sich der Wahrheit mit der Leichtfüßigkeit einer greisen Schildkröte, um dann doch an ihr vorbeizulaufen! Es läßt sich buchstäblich mit Händen greifen, daß es nicht Folge eines natürlichen Wachsens sein kann, sondern eines metaphysischen Geschehens, nicht Ergebnis eines Prozesses, sondern Ereignis selbst, wenn Menschen zu Symbionten werden.

Wenn gleich ich an dieser Stelle den Jubilaren laut Beifall klatschen möchte, ist mir dies nicht vergönnt, da ich mich genötigt sehe, die Hände fest gegen die Ohren zu pressen, um nicht die Ausrufe jener mißgünstigen Nattern zu hören, die mich dahingehend verstanden wissen wollen, daß ich unseren Protagonisten jegliches Verdienst um einen selbst eingebrachten Beitrag zum Gelingen der Wohngemeinschaft Bonn abspreche. Der Mensch hebt sich doch gerade dadurch vom Thiere ab, daß er das vom Himmel gefallene Glück an sich nimmt und es als Sprungbrett nutzt, um nach hehren Zielen zu streben. Wer freilich gegen jede Erkenntnis immun ist, kann zunächst froh sein, daß ihn das Glück nicht schon beim Herabfallen erschlägt, er wird es in jedem Falle allenfalls als eine Last mit sich herumzuschleppen vermögen, die ihn in den nächstbesten Abgrund zieht. Das kann jedoch nicht zutreffen auf drei junge Männer, die in einer, bei flüchtiger Betrachtung, zunächst unscheinbaren Herberge das Wohnen so gründlich neu erfunden haben, daß sich darob selbst der Bauer auf dem Felde verwundert die Augen reibt.

Man mag es zugeben: Nicht ein jeder konnte sogleich in die für einfachere Gemüter undurchsichtigen Gebräuche der Kommune eintauchen, und wer es doch tat, war gut beraten, zunächst in seichten Gewässern zu verharren, bis sich einer der Hausherren seiner annahm und ihn sicher auf hohe See hinauslotste. Von keinem hörte man je ein Wort des Bedauerns darüber, daß es von dort keinen Weg zurück gibt! Wer es bis hierhin geschafft hat, navigiere frohen Herzens, als Kompaß diene ihm der Lockruf dionysischen Rausches, dessen lieblicher Klang durch die Gemäuer der Wohngemeinschaft hallt. Wer diesem Sirenengesang erliegt, steuert nicht ins Verderben, sondern findet sich nach dem Erwachen wieder an Bord einer Arche, die keinen Hafen anfährt, weil sie keinen braucht, und einer würdig, sie aufzunehmen erst noch zu erbauen wäre.

Vermutlich schwer zu begreifen sind diese Zeilen für all die jungfräulichen Seelen, welche noch nie einen Fuß über die Schwelle unserer geschätzten Jubilare gesetzt haben. An sie richtet sich mein Appell, dieses nachzuholen, verbunden mit der Zusicherung, daß sie seitens der Gastgeber keinen Groll ob des schweren Versäumnisses zu befürchten haben, sondern daß sie sich allem Irdischen entrückt fühlen werden, wenn sie sich denn alsbald in der lieblichen Milde dieser großen Geister sonnen. All jene gewogenen Leser, welche bereits dem Zauber verfallen sind, mögen es dem Verfasser nachsehen, wenn er an dieser Stelle einen bescheidenen lyrischen Beitrag anbringt:

Trete ein, so daß auch Du verstehst,
ewges Bleiben wird zum Ziele Deines Strebens -
schwer'n Herzens Du Deines Weges gehst.

Auch wenn du alle Zeiten Deines Lebens
versuchst, probierst und recherchierest:
Ein trauter Heim suchst Du vergebens.

Wir, die wir unzählige selige Erinnerungen in uns tragen, welche uns auf immerfort mit der Wohngemeinschaft Bonn verbinden, wissen , daß die vorangegangenen Zeilen bar jeder Übertreibung daherkommen. Viele Stunden der Verzückung verbrachten wir mit unseren geschätzten Freunden, Gastgebern, Jubilaren. Und wenn auch ein jeder womöglich einen anderen Bezugspunkt in der Wohngemeinschaft sein eigen nennt, so dürfte auch der Blindeste nicht übersehen, daß es die Gemeinschaft ist, deren Gründung sich heuer zum zweiten Male jährt, und sie zu ehren soll unser vornehmlich Anliegen sein. Mit allen weiteren Gratulanten weiß ich mich geeint in der Hoffnung auf weitere zahllose fruchtbare Jahre in der Institution, in der man seinen Kummer und die irdischen Sorgen gleich einem Mantel an der Türe abgibt.

Wohngemeinschaft Bonn, Perle der Südstadt, möge dein Stern uns noch lange leuchten!




2002:  mai   juni   juli   august   september   oktober   november   dezember  

by wg-bonn.de 2002